Haltung beeinflusst Haltung

Geist und Körper greifen ineinander wie Zahnräder. Im Coaching aktivieren wir den Körper, um erwünschte Veränderungen auf geistiger Ebene zu verstärken und haltbarer zu machen.

Lust auf ein kleines Experiment? Schön! Wenn Du das hier gerade im Stehen oder Liegen liest, dann setze Dich bitte auf einen Stuhl. Ich lade Dich ein, die Schultern möglichst kraftlos nach vorne und unten kommen zu lassen. Merkst du, wie sich ein Katzenbuckel auf Deinem Rücken bildet, wie sich Dein Hals nach vorne reckt? Gut. Richte nach diesem Absatz Deinen Blick nach unten, lasse Deinen Oberkörper noch weiter nach unten fallen und behaupte voller Gewissheit: „Ich bin ein Gewinner. Mann, bin ich glücklich heute!“

Und? Wie überzeugend fandest Du dich? Bestenfalls mittelmäßig, oder? Okay, starten wir ein Gegenexperiment: Stehe bitte auf, hüpfe für 15 bis 30 Sekunden auf der Stelle oder tanze kurz zu Deinem absoluten Lieblingssong. Dann verankere Deine Füße fest im Boden, breitbeiniger Stand, richte Deine Wirbelsäule auf, ohne Deine Schultern zu den Ohren zu ziehen. Recke Deine Hände in die Luft und bringe Deinen Blick nach oben. Bitte überzeuge Dich und alle, die es hören können: „Heute ist ein mieser Tag. Ich habe absolut nix drauf.“

Wie überzeugend bist Du als kauernder Gewinner oder als feiernder Taugenichts?

Nimmst Du es Dir dieses Mal mehr ab? Wie? Auch jetzt nicht? Was passiert, wenn du die Botschaften vertauschst? Also in zusammengekauerter Haltung schwörst, dass du ein Tunichtgut bist, und in aufgerichteter Haltung die Welt wissen lässt, wie wundervoll dieser Tag ist. Stimmiger, oder?

Körper und Geist arbeiten zusammen.

Was Du hier anschaulich beobachten kannst, ist, wie sich innere und äußere Haltung bedingen. Körper und Geist arbeiten zusammen. Sie sind – wie du am eigenen Leib erfahren hast – nicht voneinander zu trennen. Den Effekt kannst Du also in beide Richtungen für Dich nutzen.

Nehmen wir an, Du hast in der Arbeit eine Präsentation zu halten, wovor es Dir graut. Du hast dich zwar gut vorbereitet, doch Du bist felsenfest davon überzeugt, dass Du einfach kein guter Redner bist. (Wie Du und ich an negativen Affirmationen oder Glaubenssätzen arbeiten können, bespreche ich an anderer Stelle.) Unmittelbar vor der Präsentation ziehst Du dich an einen ruhigen Ort zurück, Du bewegst Dich, um den Pegel der Stresshormone zu senken, dann gehst Du in die aufgerichtete Position und bleibst so für eine Minute stehen. Du beobachtest einfach nur, wie die Energie durch deinen Körper fließt, Du nimmst wahr, wie Dein Atem deinen Brust- und Bauchraum hebt und senkt. Mit einem Satz, der Dir Kraft gibt („Ich trete selbstsicher auf und bleibe ruhig.“), schließt Du die Übung. Um den Effekt zu verstärken, kannst Du die Übung natürlich auch zwei-, dreimal in Folge machen.

Du nimmst wahr, wie Dein Atem deinen Brust- und Bauchraum hebt und senkt.

Die andere Richtung des Effekts kannst Du in gewisser Hinsicht ebenfalls steuern. Beobachte Dich doch einfach mal, welche Körperhaltung Du gerade einnimmst, wenn Du auf eine Errungenschaft stolz bist, wenn Du einem Freund eine Freude bereitet hast, wenn Du einen liebevollen oder friedlichen Gedanken denkst oder wenn Du Dich für Deinen Mut lobst. Wie verhält sich Dein Körper, wenn Du Dich oder andere gedanklich abwertest, wenn Du Scham empfindest, wenn Du auf dich wütend bist? Wie angespannt sind Deine Muskeln, wo sind Deine Schultern, wie fühlt sich Dein Kopf an, was spürst Du im Bauch, Nacken und in der Brust? Wenn Du Dich ertappst, wie Du negative Gedanken wälzt (das tun wir übrigens alle!), dann ändere sie doch einfach. Du bist NICHT Deine Gedanken. Du kannst jederzeit negatives Denken in positives umwandeln. (Wie das geht, zeige ich Dir gerne.) Beobachte Deinen Körper jetzt. Wie haben sich die Haltung und die Spannung verändert?

Embodiment: den Körper als Instrument für Veränderung nutzen

Was ich hier beschrieben habe, heißt im Coaching Embodiment. Der Körper ist ein mächtiges Instrument, das wir im Coaching nutzen können, um gewünschte Veränderungen schneller umzusetzen. Ganz einfach deshalb, weil wir auf den Körper viel leichter einwirken können als auf den manchmal kaum zu bändigenden Geist. Nutzen wir also die starke Verschränkung von Körper und Geist, um Dich in Deiner Transformation zu stärken. Innere Haltung beeinflusst äußere Haltung, wie äußere Haltung die innere. Probiere es aus.

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